Welt

Die Hörwahrnehmung von “Zusammengehören” kann verschieden interpretiert werden. Darin geht jeweils eine andere Welt auf.

In Antike und Mittelalter wurde das Phänomen als Verbindung von Teilen und Ganzem betrachtet. Die ungleichen Teile des Ganzen sind ihrerseits wiederum Ganze, die sich in derselben Weise aus ungleichen Teilen zusammensetzen. Die durchgängige Verbindung zwischen Teilen und Ganzem heißt “Harmonie”. Sie zeugt die innere “Ordnung des Ganzen”. Diese heißt nach dem griechischen Wort für Ordnung “Kosmos”.

In der Neuzeit ging das Phänomen hingegen als Zusammengehören von “Einzelheiten” auf. Nach dem lateinischen Wort “res” für Ding, Sache, Gegenstand heißt dieses Zusammengehören “Realität”. Sie ist “objektiv festzustellen”, ist aber gerade deshalb nur “Vor-stellung”. Die Beziehung zwischen den Einzelheiten kann in ihr dadurch bestimmt werden,  dass die erfassbaren Beziehungsgrößen in einen durchgängig homogenen und gleichmäßigen Raum abgebildet und dort miteinander verglichen werden. Daraus ergibt sich ein Bild einer “Einheit”, in die sich jedes Einzelne in seiner Weise – seiner “Funktion” – wendet. Das Urbild dieser Einheit wurde daher auch “Universum” genannt. Die Gesamtheit der entsprechenden Abbildungen von Welt ist das “Weltbild”.

Die Aussagen des Weltbilds sind nicht richtiger als diejenigen des Kosmos, sie geben nur einen anderen Aspekt von Zusammengehören wieder. Kosmos und Weltbild widersprechen einander jedoch. Was im Kosmos ungleiche Teile eines umgrenzten Ganzen sind, sind im Weltbild einheitliche gleiche Schritte durch einen offenen Raum. Was im einen eine unveränderliche Ordnung ist, ist im anderen eine Dynamik des Fortschreitens, der “Fortschritt”.

Im bloßen Gegenüber von Kosmos und Weltbild sind diese Widersprüche unauflösbar. Erst in jüngster Gegenwart zeigt sich, dass das Phänomen des Zusammengehörens aus einer Bewegung hervorgeht, der Bewegung des “Wiederkehrens”. In ihr erweist sich die “Realität” des Zusammenhangs als “Sprung” der Bewegung im “Moment” der Wiederkehr desselben. Er ist der “Ursprung” des Zusammenhangs. Dieser “Ursprung” ist ein hermetischer Raum, eine Zeit, die stillsteht. Er entfaltet sich nicht im Zeitfluss, sondern in Sprüngen, als vor- und zurücklaufender Funktionszusammenhang in einen offenen Raum. Er hat kein Ziel. Er ist absichtslos. Dieser Zusammenhang heißt “Welt”. Der Herkunft des Wortes nach bedeutet dies “Menschenzeit”.

Richard Spaeth 2017

Hörwerk